Backwater Keralas & Auenlandschaft Ortenau

Keralas Backwaters & die Auenlandschaft der Ortenau

 

Da muss man ja lachen.

Keralas Backwaters und die Auenlandschaft der Ortenau in einem Satz?

Doch ich sage euch: Eintauchen und spüren.

Wie ihr wisst, habe ich viele Jahre in Südindien, in Kerala, gelebt. Dieser Bundesstaat ist so grün – grüner geht eigentlich nicht.

Wenn man Glück hat, geht beim Landeanflug nach Trivandrum oder Kochi gerade die Sonne auf. Egal, in welche Richtung man schaut: Kokospalmen. Mir blieb jedes Mal der Atem stehen.

Die Keralis nennen ihr Land liebevoll „God’s Own Country“. Und ich gebe ihnen recht.

Es sind nicht nur die Palmen. Kerala ist von einem riesigen Flusssystem durchzogen – den berühmten Backwaters. Dort wird gelebt, gefischt, gewaschen und gespielt. Die Kinder springen am Ufer herum und das Wasser gehört ganz selbstverständlich zum Alltag.

Mein erstes Backwater-Erlebnis hatte ich mit meiner lieben Freundin Susi Wrong.

Wir wollten uns ein entspanntes Wochenende auf einem Hausboot gönnen. Alte Reiskähne, umgebaut zu schwimmenden Hotelzimmern. Von einfach bis luxuriös ist alles möglich.

Wir entschieden uns für die Mittelklasse.

Verträumt und immer ein bisschen neben der Spur, ohne groß nachzudenken oder Bewertungen zu lesen.

Mit einem Ambassador – früher einmal eine Luxusschlitten-Limousine, heute eher eine sympathische Schrottkarre – fuhren wir durch die Landschaft.

In Kerala rostet übrigens alles. Man kann dabei fast zusehen. Salzluft und hohe Luftfeuchtigkeit wirken wie ein Beschleuniger.

An der Anlegestelle angekommen: kein Boot.

„Problem, Madame. Coming soon.“

Wir standen in der prallen Sonne und warteten. Der Taxifahrer wollte längst zurückfahren. Auf keinen Fall wollten wir zwei dort allein zurückbleiben.

Stunden später kam endlich unser schwimmendes Hotelzimmer.

Ein Kahn.,Ein Kapitän. Ein Koch. Vollpension.

Wir bezogen unsere Koje und da offenbarte sich der kleine Mittelklasse-Fehler:

Keine Klimaanlage. Dafür ein krachender, rostiger Ventilator.

Egal, dachten wir. Wenn es zu stickig wird, schlafen wir eben draußen unter dem Sternenhimmel.

Romantisch.

Mit einem eiskalten Kingfisher-Bier in der Hand. Ayurvedisch sicher nicht wertvoll, aber man soll den Moment schließlich genießen.

Der Motor wurde gestartet. Die Sonne neigte sich bereits dem Horizont entgegen.

Nach etwa dreißig Minuten hielt der Kahn wieder an.

„Madame, here sleeping.“

Wir lagen an einem kleinen Dorfufer fest.

Das Abendessen war allerdings köstlich. Nur das Kingfisher war inzwischen ausgeflogen und ein Liquor-Shop war weit und breit nicht zu sehen.

Dafür hatten wir einen äußerst gesprächigen Kapitän, der uns stundenlang die Ohren abkaute.

Wir gingen früh schlafen. Unmöglich!!!

Es war so stickig, dass wir wieder nach draußen flüchteten.

Dort erwarteten uns:

Der Koch.,Der Kapitän. Und ungefähr eine Million Sterne. Nein. „Mosquitos“.

Wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich hysterisch lachen.

Wir überredeten den Bootsmann sogar, auf den offenen See hinauszufahren.

Unmöglich. Ohne Anker.

Am nächsten Morgen verließen wir unseren romantischen Traum vollkommen übermüdet.

Einmal Backwater und zurück.

Meine nächste Backwater-Liebe fand ich später auf dem Stand-up-Paddel.

In der Nähe von Varkala paddelte ich um die Golden Island, besuchte den kleinen Tempel und ließ meine Seele baumeln.

Kingfisher-Vögel in den herrlichsten Farben, Schmetterlinge, fliegende Fische und überall palmenbewachsene Ufer.

Seit unser Wetter hier manchmal fast tropisch geworden ist, mache ich mich regelmäßig auf die Suche nach Kühle und Frieden.

Viele jammern. Ich versuche zu akzeptieren.

Durch Jammern wird es schließlich nicht kühler.

Auch mein neues kleines Business hat unter der Hitze gelitten. Natürlich mache ich mir Gedanken. Aber ich versuche, die Situation als Geschenk zu sehen.

Fast täglich nehme ich inzwischen mein Paddel und befahre das Wassersystem der Ortenau. Die Backwaters in Deutschland.

Ich muss nicht einmal die Augen schließen, um mich nach Kerala zu beamen.

Ein Eisvogel.

Schmetterlinge. Fliegende Fische. Wasserschlangen. Kein Mensch.

Ruhe, gemischt mit dem Geschnatter der Wildgänse.

Und ich auf meinem Paddel. Ich gleite durch einen kleinen Dschungel.

Der einzige Unterschied? Es gibt leider keine Palmen.

Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau.

I love coconut trees. 🌴

Zehn Minuten Anfahrt. Kein Jetlag.

Und sogar die Tiger Mosquitos haben inzwischen ihren Weg in die Ortenau gefunden.

Mein kleines Kerala direkt vor der Haustür.

Am Ende ist vieles eine Frage der Perspektive.

Bleibt frisch und gesund – und natürlich besonders meine lieben Waldgöttinnen.

 

Eure Daniela